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Ein ganz schöner Brummer. Die vergleichsweise kleine BR55 bringt in TT ein erhebliches Gewicht auf die Waage: Mehr als ein halbes Pfund, gut 260 Gramm. Sie ist komplett aus Metall und stammt von Jago. TT-Fans wissen: dahinter steckt Jatt-Gründer Jagoschinski, der inzwischen schon eine stattliche Anzahl von Dampflokmodellen konstruiert hat und dafür grundsätzlich Metall verwendet. Ich hatte das Glück, die Lok noch zum Neuerscheinungspreis von 270 Euro zu erhalten. Inzwischen kostet sie rund 330 Euro. Ist dies Kleinserienmodell es wert?

Schön ist sie ja. Man sieht ihr an, dass sie aus Metall ist. Kein Kunststoffglanz, satte, seidenmatte Farben, dafür an einigen Stellen nicht ganz so fein in der Gravur wie vergleichbare Kunststoffmodelle. Ich mag das - und zwar sehr! Zumal die Lok mit unzähligen aufgesetzen Leitungen und insgesamt sehr vielen feinen Details das Auge lange beschäftigt. Auf dem Bild kaum zu erkennen: Der Durchblick unter dem Kessel ist weitgehen frei möglich. Auch die erhabenen Lokschilder erfreuen das Auge. Ebenso kanne Bedruckung unter der Lupe einige Detailinformation vermitteln: Auch die echte Kohle im Tender wirkt naturgemäß aber erfreulicherweise kein bisschen wie Plastik. Irgendwie sieht man dem Modell einfach an, dass es aus sehr ähnlichem Material besteht, wie sein Vorbild. Einziger Wermutstropen: Der Umlauf ist ein wenig arg dick geraten und die dortige Farbtrennkante zwischen rot und schwarz nicht wirklich sauber. R.P. empfahl im TT-Board den unteren Teil des Umlaufes zu schwärzen. Das werde ich eindeutig noch tun ! Ein filigranerer Umlauf mit evtl noch eineln aufgesetzen Elektroleitungen wäre natürlich das Tüpfelchen auf dem i. Am Unterboden ist der rote Lack teilweise etwas dick aufgetragen worden, stört dort aber natürlich nicht. Die Steuerung könnte eventuell eine Brünierung vertragen. Das war es dann aber auch schon an optischer Kritik. Allenfalls die gekröpften Treibstangen sehen aus manchen Perspektiven eher merkwürdig aus. Gleichzeitig ermöglicht diese Bauform aber doch eine sehr kompakte Bauweise der Steuerung, die auf dem Gleis in den allermeisten Perspektiven durchaus fein und vorbildtreu wirkt.

Wie alle Jago-Modelle ist die BR55 mit weißen LEDs bestückt. Böse Zungen nennen das Xenon-Licht. Im Maßstab TT sind feine Laternen mit Beleuchtung schon ein Wert an sich: warum Jago nicht die inzwischen erhältlichen warmweißen LEDs nutzt, ist mir aber doch ein Rätsel. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass ein Tropfen warmgelber, halbtransparenter Lack, sorgfältig in die Laternen getupft, für eine angenehmere Lichtfarbe sorgen kann. Im TT-Board habe ich entsprechende Berichte bereits gelesen und werde das in Kürze auch testen.

Der Antrieb sitzt im Kessel. Und zwar komplett. Ein kleiner Maxxon-Motor treibt über eine Schnecke und Zahnrad die vorderen Treibräder - und die restlichen Achsen per Zahnradgetriebe. Schnecke und Schwungrad bilden - wie von Jatt gewohnt - eine Einheit, Da sie im Kessel sitzt, ist die Schwungscheibe aber doch zu klein, um wirklich Wirkung zu zeigen. Die hintere Motorwelle ragt ein wenig in den Führerstand. Dort hätte durchaus noch eine zweite Schwungmasse angebracht werden können. Oder anderfalls ein 'Stehkessel'. Schließlich ist der Arbeitsplatz von Heizer und Lokführer über den niedrigen Tender recht gut einsehbar. Schade, dass dort nur ein Loch mit sichtbarer Motorachse im Kessel gähnt .

Probleme mit der Zugkraft sind angesichts des hohen Gewichtes auch ohne Haftreifen bei keiner vorbildgemäßen Zuglänge bei bis zu 4 Prozent Steigung aufgetreten. Ich mag Lokomotivmodelle, die ohne vorbildwidrige und im Betrieb doch empfindliichen Gummi-Reifen auskommen !

Auf dem Gleis erweist sich die Konstruktion auch ansonsten als gelungen. Mit einer Einschränkung, die allerdings erst bei der Digitalisierung deutlich wurde. Die Höchstgeschwindigkeit orientiert sich an der des Vorbilds: 55 km/h erreicht man etwa bei 10 V Spannung am Gleis. Gleichzeitig kann die Lok schon bei wenigen Volt mit annähernd Schrittgeschwindigkeit kriechen. Allerdings hört man doch deutlich das Getriebe, die hohe Untersetzung vom schnelldrehenden Motor. Das Geräusch aber bleibt im Rahmen. Nach kurzer Einfahrzei ist es nur noch ein leises surren. : Die Lok läuft problemlos über alle Gleisabschnitte - und wie schon beschrieben, kann sie sehr schön 'schleichen'. Zwischen Lok und Tender sorgt ein dreipoliger Stecker für eine lösbare Verbindung, das ist durchdacht konstruiert! Leider ist nur das lange Kabel irgendwie immer im Führerstand sichtbar

Die Digitalisierung erweist sich allerdings als Schwierig. . Alle Komponenten von der Frontbeleuchtung über Motor bis zur Platine im Tender und den dortigen LEDs sind mit Kabeln verdrahtet. - und eine Unterbringung des Decoders im Tender scheitert an den dazu zwischen Tender und Lok zusätzlich nötigen zwei Motor-Kabeln. Doch vorne im Kessel, vor dem Getriebe, ist ein Holraum, in dem ein kleiner Decoder versteckt werden kann. Allerdings muss mann dann zwei zustäzliche Leitungen von ganz vorne zum hinten liegenden Motor unterzubringen. Gerade wenn es um die Verbindung zu den vorderen Laternen geht, besteht übrigens bei mangelnder Isolierung das Risiko von Kürzschlüssen am Metallgehäuse.

Sind all die Kabel mühsam verlegt, erweist sich die analog durchaus zuverlässige Stromabnahme als problematisch. Ich wollte nun doch mal einen Lenz Gold-Decoder probieren. Doch damit der (ähnlich wie Kühn oder tran-Decoder) seinen Fahrtzustand auch über einen kurzen Aussetzer rettet, benötigt er einen zusätzlichen Akku-Speicher. Für den fand ich keinen Platz. An jeder nur denkbaren Kombination zwischen Herzstück und 'doch mal ein Staubkorn auf dem Gleis', die selbst bei langsamer Fahrt analog mit kaum wahrnehmbarem Stocken überfahren wurde, bleibt die Lok mit dem Gold-Decoder plötzlich stehen. Und leider zeigt sich, dass die Lok selbst auf weitgehend sauberen Gleisen doch überdurchschnittlich viele 'Mikro-Aussetzer produziert. Ich werde daher den aufwendig eingebauten 'Lenz-Gold-Mini' in absehbaerer Zeit doch wieder - noch aufwendiger - gegen einen Kühn oder Tran-Decoder austauschen und dabei (sicher ist sicher) wohl auch ein zusätzliches Paar Radschleifer an geeigneter Stelle montieren.

noch ein paar Wehrmutstropfen. Wie beschrieben: die Lok sieht klasse aus, fährt sehr gut und macht insofern viel Freude. Ein paar Kleinigkeiten aber stören doch:
Der Abstand zwischen Tender und Lok ist arg groß, wer Radien ab 310 mm betreibt, kann ihn durch Umbiegen des Metallbügels allerdings noch etwas verkleinern. Eine Kulissenführung wäre natürlich sehr viel eleganter und dem Kaufpreis angemessener gewesen.
Die NEM-Halterung für die Kupplungen ist ja nett. Aber fest fixiert an Tender und Lok ? Ohne Drehpunkt? Es ist nun doch schon länger bekannt, dass dies in Kurven spätestens bei Kurzkupplungen zu Entgleisungen führt. Zu dumm! Hier werde ich auf jeden Fall umbauen müssen. Mit der Mikrofrase an das schöne Modell..... um Platz zu schaffen, für einen der kleinen, drehbaren, NEM-Schächte, die PEHO zum Glück ja anbietet. Im Prinzip wird das schon gehen. Da habe ich schwierigere Kupplungsumbauten gemacht. Aber trotzdem. Wenn schon keine 'Kulisse' dann ist zumindest ein 'drehbar' gelagerter NEM Schacht mittlerweile doch eigentlich Pflicht!

Fazit: Eine Bereicherung für die Spur TT und meine Anlage! Eine schön konstruierte und sehr stimmig wirkende Lok in reiner Metallbauweise. In einigen, erwähnten, Details hätte ich aber im Jahr 2005 eine doch etwas durchdachtere Konstruktion erwartet. Der Preis ist sicher ein Zugeständnis an viel Handarbeit und kleine Stückzahl. Bereut habe ich die Ausgabe nicht: Wenn auch noch ein kurzkupplungstauglicher NEM-Schacht vorhanden wäre und eventuell auch die digitalisierung besser vorbereitet wäre, wäre der Preis wirklich angemessen.

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