Wann werden regenerative Energiequellen, Wind, Wasser, Sonne, oder auch Biomasse einen wesentlichen Teil unserer Energieversorgung wirtschaftlich übernehmen können? Schneller, als man heute denkt, wobei Probleme und Möglichkeiten bei den unterschiedlichen Formen alternativer Stromerzeugung doch sehr unterschiedlich aussehen.
Rechnet man alle Dachflächen zusammen, könnte selbst Deutschland einen wesentlichen Teil seines Strombedarfes aus Solarenergie decken: Allerdings: Teurer kann man Strom kaum produzieren! Doch es ist beachtlich, wie schnell der Preis für Solarstrom gefallen ist. Musste man vor zehn Jahren pro Kilowattstunde Solarstrom noch mehr als einen Euro rechnen, so beträgt die gesetzlich garantierte Einspeisevergütung im Jahr 2011 schon keine 30 Cent mehr! Durch die Förderung stiegen die Stückzahlen, sanken die Preise - ein voller Erfolg. Im jahr 2010 produzieren in Deutschland Solarmodule selbst an durchweg bewölkten Tagen so viel Strom wie zwei Kernkraftwerke, an sonnigen Tagen so viel wie acht AKW. Tendenz rapide steigend. Das ist den Stromkonzernen natürlich ein Dorn im Auge. Und der seit Jahrzehnten geführte Konflikt um die Zukunft der deutschen Stromversorgung geht in eine neue Runde
Oktober 2010: Solarstrom zu teuer? Kaum wurden die Laufzeiten der Atomkraftwerke verlängert und die gesetzlich garantierte Einspeisevergütung für Ökostrom deutlich gesenkt, bekommt die Solarbranche neuen Gegenwind. Weil die Zahl der Solaranlagen drastisch gestiegen ist, mehr Einspeisevergütung gezahlt werden muss, kündigen die Stromkonzerne deutliche Preissteigerungen an. Wirklich nötig - oder Teil einer Kampagne gegen die Erneuerbaren ? Zusammen mit Monitor-Kollegen habe ich mir das genauer angeschaut - inklusive einer Studie des RWI, mit der die preistreibende Wirkung vermeintlich unsinniger Solarförderung schon seit Monaten argumentativ untermauert wird. Text und Video

Verstopft Solarstrom die Netze ? Etwa zeitgleich mit der Diskussion um die 'teure' Einspeisevergütung tauchte eine zweite Meldung auf: Der rapide Ausbau der Photovoltaicanlagen droht die Endverteilnetzte zu überlasten, diese müssten teuer ausgebaut werden. Konkret wurde das in Fröndenberg an der Ruhr. In einigen ländlichen Ortsteilen will der örtliche Netzbetreiber keine neuen Anlagen mehr an das Netz lassen, weil es überlastet sei und erst einmal teuer ausgebaut werden muss. Aber muss das wirklich sein ? Oder ist es (übertriebener) Teil einer Kampagne gegen den Sonnenstrom ? Text
Vor zwanzig Jahren habe ich Berichte gemacht, in denen optimistische Außenseiter
hofften, man könne den Preis für Solarstrom vielleicht alle zehn
Jahre halbieren. In vielen Interviews haben Vertreter der Energiewirtschaft von
RWE bis SIEMENS das damals für unmöglich erklärt. Und doch: Im
Jahr 1990 galt eine Anlage, die eine Kilowattstunde für rund drei Mark
erzeugte schon als günstig: Im Jahr 1997 rechnete man noch mit knapp 1,90
DM. Wie die Finanzierung solcher Solarprojekte vor nicht einmal zehn Jahren
geregelt war, zeigt dieser
fast schon
antiquarisch anmutende Filmtext von 1997.

Keine zehn Jahre später gibt es eine garantierte
Einspeisevergütung, die inzwischen allerdings auf fast 40 Cent je
Kilowattstunde gesunken ist. Doch damit erwirtschaften Solaranlagen schon den
Zins für Ihre Anschaffung: also Gewinn. Bei größeren Anlagen,
aber auch bei 'clever' errichteten Klein-Anlagen läst sich mit Solarstrom
inzwischen Geld verdienen. Entsprechend sprunghaft steigt im Moment die
Nachfrage, glücklicherweise aber auch die Produktion - und auch wenn
steigende Nachfrage die Preise für Solarmodule periodisch sogar anheizt,
wurde die "versprochene" Preissenkung bislang genau so eingehalten, wie die vor
zwanzig Jahren noch verlachten Optimisten vorhergesagt hatten. Im Jahr 2002
konnte der Bau einer Solaranlage für größere Gewerbedächer
wie für Privathaushalte schon durchaus profitabel sein Ein Beispiel
dafür: Solarstrom vom
Hallendach
, warum ein Autoteilehändler sein Hallendach mit
Solarpanelen deckt - und wie auch Privatleute rentabel Solarstrom erzeugen
können. Ein Bericht für WDR Dschungel aus 2002.
Mittlerweile ist eine echte Solarindustrie entstanden mit
zehntausenden von Arbeitsplätzen. Mit beginnender Massenproduktion
beginnen die Preise für Solarmodule zu fallen. Entsprechend kann auch die
Einspeisevergütung von Jahr zu Jahr fallen. Doch alle paar Jahre entsteht
wieder eine Debatte, sie ganz abzuschaffen, zu ändern....... und prompt
wird der Aufschwung der Solarwirtschaft wieder durch Planungsunsicherheit
gebremst. Zum ersten mal berichtete ich 2002 in Dschungel vom
Boom in Gefahr:
Die
Fortführung der Einspeisevergütung wurde danach allerdings - vor der
Bundestagswahl 2002 - doch noch mit den Stimmen zweier CDU-regierter
Bundesländer beschlossen: Thüringen und Baden-Württemberg, zwei
Länder mit viel Solarindustrie. Doch der Frieden währte nicht lange.
Im Jahr 2004 begann Bundeswirtschaftsminister Clement dann aber unvermutet eine
ganz ähnliche Diskussion mit ähnlichen Folgen, Dabei zeigte sich,
dass er - wie die klassische Strombranche - mit falschen Zahlen
operierte

Übrigens Die Kostenrechnung sieht schon heute in den sonnenreichen Ländern noch einmal viel günstiger aus. In Äquatornähe steht auch die Solarthermie vor einer Renaissance. Oft ist Solarstrom dort schon billiger als der Bau langer Stromleitungen, kann auch zunehmend im Preiskampf mithalten, dabei werden Offshore-Anlagen vor den Küsten noch einen gewaltigen Schub an Wirtschaftlichkeit bringen.Schon heute hat die Winkraft die traditionelle Wasserkraft in Punkto 'erzeugte Strommenge bundesweit überholt. Wenn in ganz Deutschland der Wind kräftig weht, liefern alle deutschen Windräder gemeinsam so viel Strom wie etwa fünf große Atomkraftwerke. Mittlerweile sind die ertragreichsten Standorte an Land weitgehend allerdings weitgehend ausgeschöPt. Obwohl ich persönlich Windräder häufig sogar als ästhetische Bereicherung einer Landschaft ansehe - zumindest weniger störend als Starkstromleitungen - muss sicher nicht jeder Landstrich mit Windrädern zugePlasttert werden Hier wird allerdings das 'Repowering' noch einige Zuwächse ermöglichen. Also der Bau moderner Anlagen der Megawatt-Klasse, an bereits bestehenden Orten, wo vorher deutlich kleinere Windräder standen. Das bedeutet natürlich: die bestehenden Stromnetze müssen an die neue Struktur der Stromerzeugung angepasst werden. Allerdings werden den erneuerbaren Energien dabei von den etablierten Konzernen teilweise Kosten in die Schuhe geschoben, die eigentlich aus ganz anderen Gründen entstehen.

Mai 2010: Lange Leitung für den Wind? Weil an Nord- und Ostsee die Windkraft immer weiter ausgebaut wird und heute schon mehr Strom erzeugt, als im Norden gebraucht wird, hat die Bundesregierung beschlossen, dass die Stromnetze ausgebaut werden müssen. Bundesweit. Anwohner wehren sich. Zu recht? Schließlich werden die Leitungen doch für einen guten Zweck gebaut. Fragt sich nur, ob die Leitungen wirklich vor allem dem Ausbau der Windkraft dienen. Text / Video
gehört bislang auch zu den weithin unterschätzten
Energielieferanen. Dabei geht es um Planzen, die beim Wachstum Kohlendioxyd
aus der Luft aufnehmen und bei anschließender Verbennung (also Umwandlung
in Energie) nur soviel des Treibhausgases abgeben, wie sie vorher aufgeommn
haben. Biomasse ist also vollkommen klimaneutral. Wie ein Landwirt heute schon
zum Energiewirt
werden kann war
der Einstieg in einen mehrteiligen Themenschwerpunkt in WDR - Dschungel 2001.

Doch wo sollen 'entscheidende' Mengen an Biomasse herkommen, ohne
Deutschland mit gigantichen Monokulturen zu überziehen ?
Überraschenderweise kann gerade gerade konseqenter Biolandbau auf heutigen
Ackerflächen eine große Menge Biomasse zusätzlich erzeugen
kann. Ohne Düngen, und Spritzen und gerade deshalb mit Chance auf
Wirtschaftlichkeit: mit einem
Trick und 'Silage'
.
Damals habe ich übrigens das Bio-Energie-Dorf Jühnde
erstmals im Fernsehen vorgestellt, das
im Oktober 2005 bundesweit Schlagzeilen machte. Nach jahrelanger Vorarbeit ist
die Anlage
inzwischen in Betrieb.
Übrigens: eine sehr schlichte aber heute schon perfekt
funktionierende Form der Biomasse-Nutzung: Heizen mit
Holz-Pellents
, vorgestellt in
"WDR-Dschungel" 2001.
wurde dagegen von mir (und anderen) kurzfristig sicher überschätzt. Ihr Potential ist groß, doch vor einer massenhaften Einführung sind wohl doch noch ein paar mehr Probleme zu lösen, als es rund um den Jahrtausendwechsel aussah. Damals kam sie - durchaus mit meiner Mitwirkung - erstmals bundesweit ins Gespräch:
Meine erste Begegnung mit dieser faszinierenden Technik hatte ich während eines Dreh's über den künftig geplanten 'Kohlendioxydhandel'. Genauer. in der Börse von Chicago, wo bereits seit Jahren mit Emissionsrechten für den amerikanischen Markt gehandelt wurden. Dort traf ich zufällig auf den alternativen Nobelpreisträger 'Amory B. Lovins', wir kamen ins Gespräch, nahmen ein spontanes Interview über die Zukunft der Energiepolitik auf - und er stieß mich mit der Nase auf das, was wenig später zu einem dreiteiligen Dschungel-Schwerpunkt wurde:

Teil 1
zeigt den
Entwicklungsstand im Bereich Automobiltechnik 1999
Teil2
zeigt den
Entwicklungsstand stationärer Stromerzeugung 1999
Teil3
zeigt die
Vision, was daraus langfristig entstehen kann.
Im damaligen Kontext war übrigens auch ein Bericht für Plusminus sehr spannend , der das bereits geschilderte knapp zusammenfasst und außerdem über die energiepoltische Bedeutung dieser Vision einige überraschende Aussagen des damaligen Wirtschaftsminister Werner Müller enthält. Bei alledem fragt sich natürlich, woher der Wasserstoff eigentlich kommen soll. Da gibt es neben der in den vorstehenden Artikeln bereits geschilderten Reformation aus Erdöl oder der Elektrolyse aus (möglichst regenerativ erzeugtem) Strom noch andere vielversprechende Methoden. Zum einen die Produktion des Wasserstoffes aus Biomasse (siehe vorheriger Absatz:Wasserstoff vom Allesfresser - oder auch ganz neu: Wasserstoff aus dem Gartentank. Das ist spannende Grundlagenforschung mit langfristig (!) revolutionäen Möglichkeiten


ist ein auf den ersten Blick nicht ganz so revolutionärer,
aber für die Zukunft möglicherweise auch bedeutsamer Weg der
Energiegewinnung. Schon heute kann man warme Thermalwässer in einigen
Teilen Deutschlands zum Heizen
nutzen.
Auch die Stromerzeugung mit Geothermischer Energie ist in
Österreich seit Jahren erprobte Technik. Jahr für Jahr werden
außerdem im Elsässischen Soultz die Arbeiten an einer
Hot-Dry-Rock- Anlage
vorangetrieben, die schon mittelfristig in größerer Zahl zur
Stromerzeugung gebaut werden soll und ein gutes wirtschaftliches Potential
erreichen kann. Die Bundesregierung hat sogar im erneuerbaren-Energie-Gesetz
eine Vergütung bon 17,5 Pennig für jede Kilowattstunde Strom
ausgelobt. Dabei kann Stromerzeugung mit Hilfe neuartiger ORC-Turbinen sogar
aus 'Thermalwässern' gewinnen, deren Wärme man heute schon zum Heizen
nutzt und die man in weiten Teilen Deutschlands findet. Selbst für
kleinere Gebäude können Erdwärmepumpen zur Wärmegewinnung
nützlich sein. Mit Hilfe neuer Piffiger Ideen, läßt sich auch
aus der guten alten Erdwärmepumpe auch jede Menge Energie gewinnen um
gerade Bürogebäude bei Bedarf auch zu zwecken des
Kühlens
aus dem
Fundament.