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Wann werden regenerative Energiequellen, Wind, Wasser, Sonne, oder auch Biomasse einen wesentlichen Teil unserer Energieversorgung wirtschaftlich übernehmen können? Schneller, als man heute denkt, wobei Probleme und Möglichkeiten bei den unterschiedlichen Formen alternativer Stromerzeugung doch sehr unterschiedlich aussehen.

1. Solarstrom

Rechnet man alle Dachflächen zusammen, könnte selbst Deutschland einen wesentlichen Teil seines Strombedarfes aus Solarenergie decken: Allerdings: Teurer kann man Strom kaum produzieren! Doch es ist beachtlich, wie schnell der Preis für Solarstrom gefallen ist. Vor zwanzig Jahren habe ich Berichte gemacht, in denen optimistische Außenseiter hofften, man könne den Preis für Solarstrom vielleicht alle zehn Jahre halbieren. In vielen Interviews haben Vertreter der Energiewirtschaft von RWE bis SIEMENS das damals für unmöglich erklärt. Und doch: Im Jahr 1990 galt eine Anlage, die eine Kilowattstunde für rund drei Mark erzeugte schon als günstig: Im Jahr 1997 rechnete man noch mit knapp 1,90 DM. Wie die Finanzierung solcher Solarprojekte vor nicht einmal zehn Jahren geregelt war, zeigt dieser pdf fast schon antiquarisch anmutende Filmtext von 1997.

Bild: Solardach

Keine zehn Jahre später gibt es eine garantierte Einspeisevergütung, die inzwischen allerdings auf fast 40 Cent je Kilowattstunde gesunken ist. Doch damit erwirtschaften Solaranlagen schon den Zins für Ihre Anschaffung: also Gewinn. Bei größeren Anlagen, aber auch bei 'clever' errichteten Klein-Anlagen läst sich mit Solarstrom inzwischen Geld verdienen. Entsprechend sprunghaft steigt im Moment die Nachfrage, glücklicherweise aber auch die Produktion - und auch wenn steigende Nachfrage die Preise für Solarmodule periodisch sogar anheizt, wurde die "versprochene" Preissenkung bislang genau so eingehalten, wie die vor zwanzig Jahren noch verlachten Optimisten vorhergesagt hatten. Im Jahr 2002 konnte der Bau einer Solaranlage für größere Gewerbedächer wie für Privathaushalte schon durchaus profitabel sein Ein Beispiel dafür: Solarstrom vom HallendachPDF, warum ein Autoteilehändler sein Hallendach mit Solarpanelen deckt - und wie auch Privatleute rentabel Solarstrom erzeugen können. Ein Bericht für WDR Dschungel aus 2002.

Mittlerweile ist eine echte Solarindustrie entstanden mit zehntausenden von Arbeitsplätzen. Mit beginnender Massenproduktion beginnen die Preise für Solarmodule zu fallen. Entsprechend kann auch die Einspeisevergütung von Jahr zu Jahr fallen. Doch alle paar Jahre entsteht wieder eine Debatte, sie ganz abzuschaffen, zu ändern....... und prompt wird der Aufschwung der Solarwirtschaft wieder durch Planungsunsicherheit gebremst. Zum ersten mal berichtete ich 2002 in Dschungel vom Boom in Gefahr: pdf Die Fortführung der Einspeisevergütung wurde danach allerdings - vor der Bundestagswahl 2002 - doch noch mit den Stimmen zweier CDU-regierter Bundesländer beschlossen: Thüringen und Baden-Württemberg, zwei Länder mit viel Solarindustrie. Doch der Frieden währte nicht lange. Im Jahr 2004 begann Bundeswirtschaftsminister Clement dann aber unvermutet eine ganz ähnliche Diskussion mit ähnlichen Folgen, Dabei zeigte sich, dass er - wie die klassische Strombranche - mit falschen Zahlen pdf operierte

Bild: Windrad

2. Windenergie

Übrigens Die Kostenrechnung sieht schon heute in den sonnenreichen Ländern noch einmal viel günstiger aus. In Äquatornähe steht auch die Solarthermie vor einer Renaissance. Oft ist Solarstrom dort schon billiger als der Bau langer Stromleitungen.

kann auch zunehmend im PreiskamP mithalten, dabei werden Offshore-Anlagen vor den Küsten noch einen gewaltigen Schub an Wirtschaftlichkeit bringen.Schon heute hat die Winkraft die traditionelle Wasserkraft in Punkto 'erzeugte Strommenge bundesweit überholt. Wenn in ganz Deutschland der Wind kräftig weht, liefern alle deutschen Windräder gemeinsam so viel Strom wie etwa fünf große Atomkraftwerke. Mittlerweile sind die ertragreichsten Standorte an Land weitgehend allerdings weitgehend ausgeschöPt. Obwohl ich persönlich Windräder häufig sogar als ästhetische Bereicherung einer Landschaft ansehe - zumindest weniger störend als Starkstromleitungen - muss sicher nicht jeder Landstrich mit Windrädern zugePlasttert werden Hier wird allerdings das 'Repowering' noch einige Zuwächse ermöglichen. Also der Bau moderner Anlagen der Megawatt-Klasse, an bereits bestehenden Orten, wo vorher deutlich kleinere Windräder standen

3. Biomasse

gehört bislang auch zu den weithin unterschätzten Energielieferanen. Dabei geht es um Planzen, die beim Wachstum Kohlendioxyd aus der Luft aufnehmen und bei anschließender Verbennung (also Umwandlung in Energie) nur soviel des Treibhausgases abgeben, wie sie vorher aufgeommn haben. Biomasse ist also vollkommen klimaneutral. Wie ein Landwirt heute schon zum Energiewirt pdf werden kann war der Einstieg in einen mehrteiligen Themenschwerpunkt in WDR - Dschungel 2001.

Bild Ernte von Biomasse

Doch wo sollen 'entscheidende' Mengen an Biomasse herkommen, ohne Deutschland mit gigantichen Monokulturen zu überziehen ? Überraschenderweise kann gerade gerade konseqenter Biolandbau auf heutigen Ackerflächen eine große Menge Biomasse zusätzlich erzeugen kann. Ohne Düngen, und Spritzen und gerade deshalb mit Chance auf Wirtschaftlichkeit: mit einem Trick und 'Silage' pdf .

Damals habe ich übrigens das Bio-Energie-Dorf Jühnde pdf erstmals im Fernsehen vorgestellt, das im Oktober 2005 bundesweit Schlagzeilen machte. Nach jahrelanger Vorarbeit ist die Anlage inzwischen in Betrieb.

Wer bei Biomasse allein an Gülle, also an Biogas und kleine Blockheizkraftwerke denkt, wird natürlich anzweifeln, daß damit bundesweit viel erreicht werden kann - aber auch da gibt es inzwischen sehr viel effizintere Möglichkeiten auch feste Biomasse in Strom oder gar Wasserstoff für Brennstoffzellen zu verwandeln. Wasserstoff vom Allesfresser pdf lautete der Arbeitstitel eines 2002 ausgestrahlten Beitrages. Der Prototyp mit insgesamt 20 MW Leistung ist übrigens mittlerweile betriebsfertig aufgebaut. Im Brandenburgischen Kirchmöser. Er sollte dort ursprünglich Brenngas für ein großes Heizkraftwerk liefern, dass ursprünglich mit Holz befeuert wurde. So wurde der Reaktor neben das Kraftwerk gestellt. Doch noch während der Bauphase ging das Kraftwerk pleite. Der 'Reformer' könnte noch im Jahr 2005 in Betrieb gehen - noch aber steht das in den Sternen. An ähnlichen Verfahren wird übrigens schon seit Jahren gearbeitet. Teilweise scheint man andernorts sogar schon weiter zu sein. Allerdings wirken diese Verfahren technisch weniger elegant und effizient - sind dafür aber teilweise schon in Betrieb. Zum Beispiel: der blaue Turm in Herten, um den es inzwischen doch eher wieder still geworden ist. Dafür arbeitet allerdings ein weiterer Vergaser in Güssing, Österreich durchaus erfolgreich. Letztlich funktioniert auch das Verfahren von Choren sehr ähnlich. Hier will man aus dem Synthesegas der Biomasse 'Sunfuel' herstellen. synthetischen Kraftstoff. Welches dieser Verfahren auf Lange sicht das Rennen macht, wird sich noch zeigen müssen. Ich bin mir aber recht sicher, dass darin noch einiges bislang unterschätztes Potential für einen wesentlichen Anteil unserer Energieversorgung liegt..

Bild von Pilotanlage in Baltimore

Übrigens: eine sehr schlichte aber heute schon perfekt funktionierende Form der Biomasse-Nutzung: Heizen mit Holz-Pellents pdf, vorgestellt in "WDR-Dschungel" 2001.

4. Die Brennstoffzelle

wurde dagegen von mir (und anderen) kurzfristig sicher überschätzt. Ihr Potential ist groß, doch vor einer massenhaften Einführung sind wohl doch noch ein paar mehr Probleme zu lösen, als es rund um den Jahrtausendwechsel aussah. Damals kam sie - durchaus mit meiner Mitwirkung - erstmals bundesweit ins Gespräch:

Meine erste Begegnung mit dieser faszinierenden Technik hatte ich während eines Dreh's über den künftig geplanten 'Kohlendioxydhandel'. Genauer. in der Börse von Chicago, wo bereits seit Jahren mit Emissionsrechten für den amerikanischen Markt gehandelt wurden. Dort traf ich zufällig auf den alternativen Nobelpreisträger 'Amory B. Lovins', wir kamen ins Gespräch, nahmen ein spontanes Interview über die Zukunft der Energiepolitik auf - und er stieß mich mit der Nase auf das, was wenig später zu einem dreiteiligen Dschungel-Schwerpunkt wurde:

Wagen tankt Wasserstoff

Teil 1 pdf zeigt den Entwicklungsstand im Bereich Automobiltechnik 1999

Teil2 pdf zeigt den Entwicklungsstand stationärer Stromerzeugung 1999

Teil3 pdf zeigt die Vision, was daraus langfristig entstehen kann.

Im damaligen Kontext war übrigens auch ein Bericht für Plusminus sehr spannend , der das bereits geschilderte knapp zusammenfasst und außerdem über die energiepoltische Bedeutung dieser Vision einige überraschende Aussagen des damaligen Wirtschaftsminister Werner Müller enthält. Bei alledem fragt sich natürlich, woher der Wasserstoff eigentlich kommen soll. Da gibt es neben der in den vorstehenden Artikeln bereits geschilderten Reformation aus Erdöl oder der Elektrolyse aus (möglichst regenerativ erzeugtem) Strom noch andere vielversprechende Methoden. Zum einen die Produktion des Wasserstoffes aus Biomasse (siehe vorheriger Absatz:Wasserstoff vom Allesfresser - oder auch ganz neu: Wasserstoff aus dem Gartentank. Das ist spannende Grundlagenforschung mit langfristig (!) revolutionäen Möglichkeiten

Schnitt durch eine Erdwärmebohrung
Bild Blume vor Bohrgestänge

5. Erdwärme, Geothermie

ist ein auf den ersten Blick nicht ganz so revolutionärer, aber für die Zukunft möglicherweise auch bedeutsamer Weg der Energiegewinnung. Schon heute kann man warme Thermalwässer in einigen Teilen Deutschlands zum Heizen pdf nutzen. Auch die Stromerzeugung mit Geothermischer Energie ist in Österreich seit Jahren erprobte Technik. Jahr für Jahr werden außerdem im Elsässischen Soultz die Arbeiten an einer Hot-Dry-Rock- Anlage pdf vorangetrieben, die schon mittelfristig in größerer Zahl zur Stromerzeugung gebaut werden soll und ein gutes wirtschaftliches Potential erreichen kann. Die Bundesregierung hat sogar im erneuerbaren-Energie-Gesetz eine Vergütung bon 17,5 Pennig für jede Kilowattstunde Strom ausgelobt. Dabei kann Stromerzeugung mit Hilfe neuartiger ORC-Turbinen sogar aus 'Thermalwässern' gewinnen, deren Wärme man heute schon zum Heizen nutzt und die man in weiten Teilen Deutschlands findet. Selbst für kleinere Gebäude können Erdwärmepumpen zur Wärmegewinnung nützlich sein. Mit Hilfe neuer Piffiger Ideen, läßt sich auch aus der guten alten Erdwärmepumpe auch jede Menge Energie gewinnen um gerade Bürogebäude bei Bedarf auch zu zwecken des Kühlens pdf aus dem Fundament.