Gaspreise steigen wieder deutlich!
Stand 2011, Text wird in Kürze aktualisiert.

Fast zwei Jahre war nun weitgehend Ruhe. Einzelne Anbieter hatten Ihre Preise erhöht, andere hatten sie verringert, die allermeisten Anbieter jedoch hielten Ihre Preise und damit auch den Bundesdurchschnitt weitgehend konstant. Das ist nun vorbei. Im September und Oktober Oktober änderten fast 350 Anbieter Anbieter ihre Preise - nur fünf davon führten eine Senkung durch.


Überblick: Achtung, der derzeit in der Datenbank teuerste Anbieter, die Stadtwerke Leipzig, gehören zu einer kleinen Gruppe Sonderfälle,
die unten im Absatz 'Festpreistarife' besonders behandelt werden.

Der Preis für Heizöl war bis Anfang 2009 rapide gefallen, die Gaspreise zogen mit gut sechs Monaten verspätung nach. Der dann allmählich wieder steigende Ölpreis blieb aber im Gasmarkt lange Folgenlos. Auch wenn offenbar noch immer einige Anbieter mit Ihrem Vorlieferanten eine Preisbindung an den Ölpreis vereinbart hatten - ein immer größerer Teil der Anbieter hatte offenbar mit dieser Tradition gebrochen und auch die Preise an der Leipziger Börse waren lange Zeit nicht Ölpreis gefolgt. Nachdem der Ölpreis im zweiten Quartal auf (umgerechnet) mehr als 8 Cent je Kilowattstunde gestiegen war, hat dieser Anstieg nun doch noc auf den Gasmarkt durchgeschlagen. Auch die vom BAFA erfassten Importpreise liegen inzwischen fast einen Cent höher als Mitte 2009, haben den Höchststand von Mitte 2008 aber noch nicht wieder erreicht. Dabei liegt der Abstand zwischen letztem gemeldeten Importpreis und akutellem Endkundenverkaufspreis momentan bei rund 3,7 Cent je kWh. Dieser Indikator für die im Privatkundenmarkt mögliche Margen war seit 2004 zunächst von zunächst 3,4 auf bis zu 4,5 Cent angestiegen. Dieser Höchstand war Mitte 2009 erreicht worden. Doch der seitdem offensichtlich stärkere Wettbewerb auf dem Gasmarkt ließ diese Marge nun offensichtlich wieder schrumpfen. Nach wie vor zeigen sich in der Preispolitik der verschiedenen Anbieter jedoch deutliche Unterschiede.

Beispiele für unterschiedliche Preisentwicklung:
Ein positiv-Beispiel vorweg - die Stadtwerke im Niedersächsischen Achim. Sie gehörten seit Anfang unser Preisreihe immer zu den preiswertesten Anbietern, verloren diesen Sonderstatus in der Zeit hoher Gaspreise - haben ihre Preise seitdem aber wieder stark gesenkt. Erst im aktuellen Quartal haben Sie den Status als billigster Anbieter Deutschlands dann wieder verloren - an die Stadtwerke Fellbach, die ihre Preise Anfang 2010 zwar nicht ganz so stark senkten, wie die damals preiswertesten, dem Druck zur Preiserhöhung seitdem aber nicht nachgegeben haben und die Preise von Anfang 2010 bislang unverändert beibehalten.

Ganz anders in Neu-Isenburg. Jahrelang lag der Gaspreis hier nah am Durchschnitt, stieg und fiel dem Ölpreis folgend - im letzten Jahr aber fallen die Stadtwerke hier doch durch eine überdurchschnittliche Preissteigerung auf. Im Rastatt kalkuliert man offenbar noch einmal ganz anders - hier folgte man lage dem Bundesdurchschnitt - hält die Preise aber schon seit eineinhalb Jahren konstant - und vor allem deutlich höher. Es existieren offenbar extrem unterschiedliche Preiskalkulationen. Die Ursache dafuer ist kaum nachvollziehbar.

Auffällig: Der Unterschied zwischen billigsten und teuersten Anbietern ist in den letzten Quartalen deutlich größer geworden. Er beträgt inzwischen fast 86 Prozent. Mitte 2004 waren es nur 51 Prozent. Dabei zeigen sich immer wieder bei direkt benachbarten Anbietern frappierende Unterschiede. So zahlt unser Musterkunde bei der Energieversorgung Guben 1202 Euro Im direkt benachbarten Finsterwalde 1543 Euro im Jahr. Ähnliche Beispiele findet man in unserer Datenbank zuhauf

Preisververrzungen durch Festpreisverträge
Besonders auffällig ist die Entwicklung der sogenannten Festpreisverträge. Schon einigen Jahren werden verstärkt Angebote gemacht, bei denen Gasversorger versprechen, den gegenwärtigen Preis für ein, zwei oder sogar drei Zahre stabil zu halten. In Zeiten steigender Preise wurde dafür ein gewisser Aufschlag verlangt. In Einzelfällen wären die Kunden damit aber angesichts der folgenden Entwicklung tatsächlich günstiger gefahren. Auffällig ist allerdings, dass viele Anbieter just in der Hochpreisphase vor zwei Jahren neue 'Festpreistarife' anboten. Nun lockten Preise, die geringfügig unter denen der variablen Tarife lagen. Als dann aber in den Folgemonaten die Preise auf breiter Front sanken, wurde das für die Kunden mit Festpreisverträgen richtig teuer - und für die Anbieter entsprechend lukrativ. In welche Richtung das Pendel künftig ausschlägt ist kaum vorherhzusagen. Aus diesem Grund (siehe hauch: 'Häufige Fragen' listen wir grundsätzlich keine Tarife mit Festpreisgarantie. In einigen Härtefällen führt das inzwischen leider dazu, dass eine Auswertung unserer Datenbank ein leicht verzerrtes Bild ergibt. Denn: Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der angebotenen Festpreisverträge noch einmal spürbar. Einige Anbieter lassen dem Kunden nur noch die Wahl zwischen einer Preisgarantie von mindestens einem Jahr oder (relativ gesehen) extrem überteuerten Grundpreistarifen. Wer da keinen Festpreistarif abschließt muß teilweise 'richtig bluten' und wird so in den Festpreistarif gedrängt. Doch der Preisvorteil ist genaugenommen teuer erkauft. Denn mit Vertragsbindung darf ein Kunde den Vertrag nur bei Preisänderungen kündigen - und da es mindestens ein Jahr lang keine Preisänderung gibt, bleibt dem Kunden keine Möglichkeit zu Alternativanbietern zu wechseln. Deren lokal sehr unterschiedliche Tarife werden in der Datenbank zwar nicht erfasst. Aber in vielen Fällen bieten die das Gas doch inzwischen deutlich preiswerter an als die örtlichen Grundversorger selbst in den günstigsten (Festpreis)tarifen. Die etwa zwei dutzend Festpreistarife die bundesweit nun eigentlich unbegreiflich viel preiswerter angeboten werden als die 'normalen' Tarife werden entsprechnd unseres Gleichbehandlungsgrundsatzes übrigens nicht gelistet. (siehe Link: 'Häufige Fragen'). Dadurch wird die Gesamtstatistik natürlich beeinflusst - bei einzelnen Anbietern, die bisherige Sondertarife in 'Festpreistarife' umgewandelt haben und keine 'normalen' Sondertarife mehr bieten entsteht dadurch auch ein merkwürdiger 'Sprung' in der Entwicklung der Preiskurve - So zum Beispiel bei den Stadtwerken Weiar Mitte 2010 oder - besonders drastisch - bei den Stadtwerken Leipzig Anfang 2011. Diese Anbieter haben frühere 'normale' Tarife abgeschafft und bieten jetzt nur noch Festpreise - oder absolut 'überteuterte' Grundversorgungstarife. Im Sinne der Gleichbehandlung aller Anbieter und 'einheitlicher' Bedinungen aller gelisteten Tarife können wir jedoch aus (hoffentlich nachvollziehbaren Gründen) auch in diesen Fällen unsere einheitlich definierten Tarifbedinungen nicht aufweichen.

Preisunterschiede in den Marktgebieten:
Die großen regionalen Unterschiede im Preis ließen sich bislang zumindest teilweise mit den Strukturen der Fernleitungen erklären. Wo das Gas über mehrere Marktgebietsgrenzen geleitet werden musste, fielen höhere Preise an. Mittlerweile sind allerdings viele Marktgebiete fusioniert. Wer allerdings in unseren 'erweiterten Auswertungen' gezielt die Preise für einzelne Leitungs-Marktgebiete aufruft, wird eine Überraschung erleben. Zum Beispiel im fusionierten Marktgebiet 'Gaspool'. Hier bewegt sich der Endkundenpreis je nach Anbieter zwischen 5,41 Cent je kWh in Lingen - und 8,36 Cent in Neu Isenburch. Wohlgemerkt. Im selben Gasnetzgebiet.! Ähnlich im Marktgebiets Netconnect. Hier reicht die Spanne von 5,2 Cent in Fellbach und mehr als 8,56 in Heidelberg

Kommunale Anbieter: Immer spürbar billiger
Dem Bürger wird häufig erzählt, private Anbieter seien wettbewerbsfähiger und damit auch preiswerter als staatliche Unternehmen. Zumindest in der Gaswirtschaft und bei kommunalen Unternehmen gilt das eindeutig nicht. Im Schnitt sind rein kommunale Unternehmen seit Beginn unserer Zeitreihe vor sieben Jahren immer einige Zehntelcent billiger als Unternehmen mit Beteiligung der großen Konzerne. Und das nach wie vor in praktisch allen Bundesländern (in denen es beide Arten von Unternehmen gibt). Nachdem durch den Verkauf der Thüga an ein Konsortium der Stadtwerke viele deutsche Anbieter nun schlagartig nicht mehr unter dem Einfluss des größten deutschen Gasimporteurs stehe,n sondern zu rein kommunalen Unternehmen geworden sind, wird es interessant zu beobachten, wie sich die Preise der zur Thüga-Gruppe gehörenden Versorger entwickeln. Um die veränderten Beteiligungsverhältnisse zu berücksichtigen, können in den erweiterten Auswertungen nun wahlweise die früheren oder die neuen Eigentumsverhältnisse selektiert werden. Zudem gibt es separate Auswertungen für Unternehmen mit Beteiligung der Thüga.

Ungenauigkeiten in unserem Datenbestand ?
Bei den Spitzenreitern in unserem Datenbestand muss man einzelne angegebenen Preise leider mit kleinem Vorbehalt sehen. So sind die Stadtwerke Leipzig, Treuchtlingen und Gothat nur deshalb im Moment die teuersten Anbieter in dieser Liste, weil sie günstiger angebotene Sondertarife nur mit langen Vertragslaufzeiten (von mehr als 24 oder gar 36 Monaten) anbieten, während wir aus Gründen der Vergleichbarkeit und Gleichbehandlung nur Tarife mit einer Laufzeit von maximal 12 Monaten listen. Ähnliches gilt für einige Anbieter die neuerdings keine 'normalen' Sondertarife mehr anbieten sonder nur noch Verträge mit Festpreisgarantie oder extrem teure Grundpreistarife ( siehe vorangehende Absätze). Aus Gründen der Gleichbehandlung aller Anbieter und einheitlicher Tarifbedingungen aller gelisteten Verträge können wir derartige Tarife trotzdem nicht listen. Wir haben die Existenz solcher ggf. billigeren Tarife wie immer mit einem * hinter dem Anbieternamen gekennzeichnet.

Ein paar Worte in eigener Sache. Die hier dargelegten Details der Preisentwicklung sind in unseren 'erweiterten Auswertungen' detailliert zu finden - wobei die dort möglichen Abfragen entsprechende Aussagen zu j e d e m Bundesland oder Marktgebiet und auch für jeden beliebigen Zeitraum seit dem Sommer 2004 ermöglichen.